Muss Unternehmensstrategie schön sein?
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Ich habe mich oft gefragt, wie ich für mich Kunst definieren soll. Wenn ich mit einem Kunstwerk konfrontiert wurde, kam immer automatisch ein sicheres Gefühl, das mir sagte, was schön und wertvoll und was nur Rauschen oder sogar Kitsch war. Meine Wahl zu begründen, war allerdings nicht immer einfach. Seitdem uns Künstler mit homogen weißen Leinwänden oder mit alten Gummistiefeln, die an ein Brett genagelt wurden, konfrontieren, sind die Kunstbetrachter verunsichert. Wenn auch Banales oder Hässliches Kunst sei, fehlen zuverlässige Kriterien: Alles kann Kunst sein, wenn es zu Kunst erklärt wird.

Zuerst: Was ist Kunst?

Kürzlich sah ich eine Dokumentation über ein Tanztheaterstück, das von einem Ensemble aus Paris in Kinshasa (Kongo) aufgeführt wurde, u. z. unter freiem Himmel, für jedermann zugänglich. Der Film zeigte die Arbeit der Künstler, aber auch die Reaktion des Publikums auf den Tanz und die Musik (Bachs “Matthäuspassion”).

Dabei sind mir drei Sachen deutlich geworden:

  1. Wahre Kunst muss etwas Grundsätzliches transportieren. Damit ist sie stets simpel, weil das Grundsätzliche immer unsere Grundgefühle berührt: Liebe, Mitgefühl, Sehnsucht, Angst, existenzielle Unsicherheit usw. Das wurde mir deswegen so deutlich, weil in dem Film auch einfache Menschen, Menschen, die die Sprache nicht verstanden und sogar Blinde, die den Tanz nicht sehen konnten, die richtigen Worte fanden, um die Wirkung dieses Kunstwerkes zu beschreiben.
  2. Wenn man ein Kunstwerk erst dechiffrieren muss, wenn es erklärt werden muss, um überhaupt einen Zugang zu finden, dann ist das keine wahre Kunst: Es ist eine künstlerische Aussage. Die Künstler haben natürlich ein Anrecht darauf, so wie alle anderen das Recht haben, sich verbal zu äußern. Kunst par excellence ist das nicht.
  3. Es gibt allerdings besondere Kunstwerke, die diese zwei Ebenen vereinen. Sie sind einfach, sprechen uns direkt an und werden deswegen als schön empfunden. Gleichzeitig enthalten sie aber auch Codes, Konnotationen, Aussagen, die unseren Intellekt ansprechen.

Gefühle und ästhetisches Empfinden können auch kitschig sein. Von der anderen Seite kann eine künstlerische Aussage auch falsch sein. Erst die wahren Gefühle verbunden mit der Wahrnehmung der Richtigkeit, Wahrheit und der geistigen Schönheit sind das Beste, was Kunst leisten kann.

Richtige Unternehmensstrategie

Was hat die Kunst mit der Unternehmensstrategie zu tun? Ich meine, dass uns die künstlerische Perspektive helfen kann, eine gute Unternehmensstrategie von einer falschen zu unterscheiden. Auch eine Unternehmensstrategie ist ein Produkt des menschlichen Geistes, das uns auf beiden Ebenen ansprechen muss: der unmittelbaren („Dabei habe ich ein gutes Gefühl“) und der intellektuellen („Das überzeugt mich“).

Eine gute Unternehmensstrategie muss wirkungsvoll sein. Sie muss ein anstrebenswertes Ziel anpeilen, den richtigen Weg definieren und die notwendigen Mitteln benennen. Sie soll aber auch unsere Herzen und unseren Ehrgeiz ansprechen, sich gut anfühlen und uns schön erscheinen. Anderenfalls wird sie zu schwach sein, um umgesetzt zu werden.

Eine gute Unternehmensstrategie muss einfach sein. Sie muss uns mit ihrem intellektuellen Reiz direkt ansprechen und als Idee, Bild, Gedankensequenz mitreißen. Sie muss aber auch der Realität standhalten. Eine gute Unternehmensstrategie basiert immer auf einer gründlichen, systematischen Analyse, untersucht bei der Synthese alle wichtigen Faktoren und ihre Wechselwirkungen und berücksichtigt eingehend die Rahmenbedingungen.

Eine Unternehmensstrategie soll also beides sein: schön und praktisch. Eine schlüssige Idee allein kann ein Unternehmen auf den Holzweg führen. Eine komplexe Analyse mit Handlungsempfehlung, die man kaum nachvollziehen und nicht als ein Ganzes erfassen kann, wird entweder zum falschen Ziel führen oder aber sein Potenzial nicht entfalten. So wie sich die Kunstliebhaber von den falschen Künstlern nicht beirren lassen sollen, so auch die Unternehmer sollen sich von verwirrenden Beratern oder komplizierenden Fachmanagern nicht täuschen lassen.

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Unternehmensstrategie ist ein simples Ergebnis einer komplexen Analyse.

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