Gefährliches Benchmarking
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Benchmarking ist schädlich, weil es die Frage nach dem Wie und nicht nach dem Was in den Vordergrund stellt.

Differenzierung ist anders

Warum beschäftigt sich ein Unternehmen mit Benchmarking? Möglicherweise, weil es erfolgreicher als die Wettbewerber sein will. Man möchte günstiger produzieren, eine effektivere interne Struktur oder gesundere Arbeitsmoral haben. Solche Aspekte zu betrachten, ist sicher interessant und nützlich, wenn man schon einen handfesten Wettbewerbsvorteil hat. Ihn zu erreichen kann man allerdings nur durch Differenzierung. Durch Benchmarking erreicht man keine Differenzierung.

Benchmarking kann gefährlich sein, weil es suggeriert, dass man sich dadurch strategisch verbessern kann. Man kann nicht. Und oft genug dient Benchmarking als Attrappe für Manager, die nicht zugeben wollen, dass sie das strategische Ruder nicht in der Hand halten. Google oder Apple brauchen kein Benchmarking.

Wettbewerbsvorteile kommen von innen

Die Kraft eines Unternehmens kommt aus dem Inneren. Wettbewerbsstarke Produkte entstehen aus Ideen und Leidenschaft der Mitarbeiter. Schlagkräftige Marketinginnovationen werden aus dem geteilten Siegeswillen und ansteckender Neugier geboren. Die echten Wettbewerbsvorteile werden immer innerhalb der Organisation geschaffen. Die Frage, warum hervorragende Leistung nicht dort entsteht, warum man sie durch Vergleich mit anderen hervorrufen muss, ist die eigentliche Frage, mit der sich der CEO beschäftigen sollte!

Wann ist Benchmarking sinnvoll

Ich plädiere nicht dafür, dass man grundsätzlich keine Vergleiche mit seinen Wettbewerbern oder mit den Besten in anderen Branchen macht. Wir sollen nicht mit geschlossenen Augen durch die Gegend laufen, nicht wahr? Was ich sage ist, Benchmarking ist nur ein Tool und wie jedes Tool soll es seiner Bestimmung entsprechend genutzt werden.

Wann kann es nützlich sein? Vor allem während der Analysephase von Projekten (die hoffentlich von innen heraus initiiert wurden). Nachdem man schon glaubt, alle relevanten internen Daten gesammelt zu haben, macht es oft viel Sinn zu schauen, wie die anderen ein gleiches Problem gelöst haben. Das ist besonders wahr bei Projekten, die eine Verbesserung als Ziel haben. Bei Initiativen, wo es um ein neues Design einer Struktur oder eines Prozesses geht, ist allerdings Vorsicht geboten. Hier gilt es, die gesamte Aufmerksamkeit auf das zu lösende Problem zu lenken und es im Zusammenhang des internen Systems zu betrachten. Dies ist schwierig genug und zu früh von außen gebrachte fertige Lösungen können die Suche nach dem optimalen, situationsabhängigen Design stören. Wenn aber die erste Iteration im Designprozess fertig ist, kann ein Blick auf einige andere Designs und auf Benchmarking-Daten interessant sein.

Sinnvoll ist Benchmarking auch bei Verbesserung der Effizienz: in allen Bereichen, aber vor allem in denen, deren Aufgabe es ist, Services möglich effizient zu liefern, wie beispielsweise in der Logistik.

Für wenig sinnvoll halte ich Benchmarking bei der Messung der Mitarbeiterzufriedenheit, es sei, Sie leiten einen großen Konzern und wissen, dass Sie unmöglich ein präzises Bild Ihrer gesamten Organisation haben können und sehen die Ergebnisse als eine ergänzende Messgröße, die Ihnen an den gewöhnten Strukturen vorbei zusätzliche Informationen liefert.

Wettbewerbsvorteile

Also solange man Benchmarking als ein Tool in bestimmten Situationen benutzt, hat es einen Platz bei vielen Initiativen im Unternehmen. Es macht Sinn dort, wo ein Unternehmen in seinen Teilbereichen prüfen möchte, ob es effizient genug ist. Im strategischen Prozess hat es selten etwas zu suchen. Hier geht es darum, Wettbewerbsvorteile zu erreichen – immer wieder und aufs Neue. Hier muss die Messlatte höher hängen als bei allen anderen auf dem Markt. Hier führt Benchmarking selten zu erhofften Resultaten.

Würden Sie dem zustimmen?

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Durch Benchmarking wird man vielleicht besser. Besser als die anderen wird man sicher nicht.

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2 Comments to “Gefährliches Benchmarking”

  1. Danke! Dem stimme ich zu – wenn man Benchmarking übertreibt und sich nur mit anderen misst, verliert man leicht die eigenen Möglichkeiten, das eigene kreative Kapital eines Unternehmens aus. Das erfordert Mut und Freiräume, nicht nur nachzumachen, sondern selbst neue Wege zu gehen.

    • Andreas Sternowski sagt:

      Mut ist ein gutes Wort.
      Menschen die ein klares Ziel haben und wissen, dass sie den richtigen Weg zu diesem Ziel eingeschlagen haben, halten sich mit Benchmarks nicht viel auf.

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